„Wir haben bereits vor zwei Jahren davor gewarnt, dass das massenhafte Einsammeln von Straßenhunden das Problem nicht löst, sondern Leid lediglich von den Straßen in überfüllte Tierheime verlagert. Die aktuellen Berichte aus Datça zeigen beispielhaft, wohin eine Politik führt, die freilaufende Hunde nicht kastrieren lässt, sondern Straßenhunde lediglich einsammelt und wegsperrt“, sagt Lisa Hoth-Zimak, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Hunde verschwinden zwar aus dem öffentlichen Raum, doch das Problem der unkontrollierten Vermehrung ist nicht gelöst.“
Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt den Ansatz, die Straßentierpopulation durch ein nachhaltiges und tierschutzgerechtes Populationsmanagement zu reduzieren. Dazu gehören neben der Kastration der Straßenhunde auch die Kastration von Hunden mit Besitzern sowie die Aufklärung der Bevölkerung. Mehrfache Appelle des Verbandes für eine tierfreundliche Lösung an zuständige Stellen in der Türkei sowie Gremien in Deutschland blieben bislang jedoch ohne Resonanz. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die türkische Regierung daher weiterhin auf, die aktuelle Strategie zu überdenken und gemeinsam mit Tierschutzorganisationen nachhaltige und tierschutzgerechte Lösungen zu entwickeln. Währenddessen setzen sich türkische Tierschützer weiter mit großem Engagement für die betroffenen Hunde ein und versuchen, die Folgen der politischen Maßnahmen abzufedern.
Deutscher Tierschutzbund erneuert Appell an Urlauber
Um den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen, rät der Deutsche Tierschutzbund aktuell von Reisen in die Türkei ab. „Nur wenn sich genügend Menschen bewusst gegen einen Türkei-Urlaub entscheiden, entsteht wirtschaftlicher Druck, der tatsächlich etwas verändern könnte“, so Hoth-Zimak. Wer helfen möchte, kann zudem seriöse Tierschutzorganisationen vor Ort unterstützen und im eigenen Umfeld auf die Situation der Straßenhunde aufmerksam machen.
Hintergrund
In der Türkei verpflichtet eine Gesetzesänderung von August 2024 die Kommunen, bis spätestens 2028 streunende Hunde einzufangen und in Tierheimen unterzubringen. Bei Nichteinhaltung drohen ihnen Bußgelder von umgerechnet rund 2.000 Euro pro Hund. Landesweit stehen für rund vier Millionen betroffene Tiere aber nur etwa 110.000 Tierheimplätze zur Verfügung. Weil die Kapazitäten vielerorts fehlen, leiden unzählige Hunde unter tierschutzwidrigen Bedingungen. Das Gesetz erlaubt auch die Tötung kranker oder aggressiver Hunde, ohne klare Kriterien.
